Braunschweig. Ende letzten Jahres hatte BS Energy an einigen Standorten im Stadtgebiet ein besonderes Pilotprojekt gestartet: Ladebordsteine für Elektroautos. Im Juli endete die Testphase, und in der Sitzung am gestrigen Dienstag legte die Verwaltung dem Ausschuss für Mobilität, Tiefbau und Auftragsvergaben auf Anfrage der Grünen eine erste Auswertung vor.
Die von BS Energy mit seinem Tochterunternehmen KOM|DIA betriebenen Ladepunkte sind in den Bordstein integriert, bieten bis zu 22 Kilowatt und können per App, Ladekarte oder QR-Code genutzt werden. Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen wollte nun wissen, welche Erfahrungen man hinsichtlich Nutzungsfrequenz, Witterungsbeständigkeit - insbesondere bei Schnee - und Dauerhaftigkeit man gemacht habe. Kann das Ladeangebot eine platzsparende Lösung für urbane Wohngebiete sein?
Heizung ist integriert
In Abstimmung mit der KOM|DIA GmbH schreibt die Verwaltung hierzu, dass die bisherige Nutzung der sechs im Stadtgebiet installierten Ladebordsteine leicht über der durchschnittlichen Nutzungsfrequenz der übrigen Ladepunkte liege. Hinsichtlich der Witterungsbeständigkeit würden bislang keine besonderen Erkenntnisse vorliegen. Die Ladebordsteine verfügten über eine integrierte Heizung, die bei einer Außentemperatur von unter 5 Grad Celsius automatisch aktiviert werde. Auch bei winterlichen Witterungsverhältnissen, insbesondere bei Schnee, seien der Verwaltung daher bislang keine Besonderheiten oder Einschränkungen bei der Nutzung bekannt.
Die im Zeitraum des Pilotprojekts von November 2025 bis Juli 2026 gewonnenen Erfahrungen seien gesammelt worden und würden derzeit ausgewertet. Nach einer ersten Einschätzung werden die Ladebordsteine von den Kundinnen und Kunden angenommen. Zudem seien während des bisherigen Pilotzeitraums im Vergleich zu anderen Standorten keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Störungsanfälligkeit festgestellt worden.
Hausanschlusskasten im Seitenraum
Doch es ist wohl noch zu früh, um von DER Lösung für die Zukunft zu sprechen. Denn es gibt einige Anforderungen. Die technischen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Ladebordsteins seien zwar grundsätzlich mit denen einer herkömmlichen Ladeeinrichtung vergleichbar. Doch eine Besonderheit bestehe darin, dass aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse im Ladebordstein ein Hausanschlusskasten im Seitenraum erforderlich sei, berichtet die Verwaltung. In diesem werden unter anderem die erforderlichen Sicherheitseinrichtungen, wie Leitungsschutzschalter und Fehlerstromschutzschalter, sowie die Technik für das Lastmanagement untergebracht.
Und noch gravierender: Der Einbau der derzeit verfügbaren Ladebordsteine ist an die Verwendung eines sogenannten Euro-Bordes gebunden. Da im Stadtgebiet auch eine Vielzahl von Naturbordsteinen vorhanden sei, schränke dies die Einsatzmöglichkeiten aktuell ein. Der Hersteller arbeite nach Kenntnis der Verwaltung an einer technischen Anpassung, die künftig auch den Einbau in Verbindung mit Naturbordsteinen ermöglichen soll.
Kosten sind höher
Und noch ein weiterer Aspekt kommt hinzu: die Kosten. Es werde darauf hingewiesen, dass die Investitionskosten derzeit deutlich über denen für herkömmliche Ladeinfrastrukturlösungen lägen und daher auch die Wirtschaftlichkeit bei der Standortwahl berücksichtigt werden müsse, betont die Verwaltung.
Nichtsdestotrotz stellten Ladebordsteine grundsätzlich eine platzsparende Ergänzung zur bestehenden Ladeinfrastruktur dar und könnten insbesondere an Standorten mit begrenzten Platzverhältnissen Vorteile bieten. Nach Angaben von KOM|DIA würden weitere Standorte derzeit geprüft. Dabei sei der Einsatz jeweils anhand der örtlichen und technischen Gegebenheiten zu bewerten.

