Hitzefrei-Bilanz: So viele Schulstunden fielen in Braunschweig aus

Die Verwaltung gab zudem Antworten auf die Fragen, wie viele Klassenräume an Braunschweiger Schulen aktuell mit Klimaanlagen ausgerüstet sind und welche Maßnahmen man ergreift, um Schulen hitzefest zu machen.

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

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Braunschweig. Der Sommer neigt sich dem Ende zu. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Phasen extremer Hitze, teilweise sogar um die 40 Grad Celsius. Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt nahm dies zum Anlass, bei der Verwaltung nach einer Bilanz zu fragen, wie oft es in diesem Sommer für Schüler "hitzefrei" hieß. Zudem wollte man wissen, wie gut Braunschweiger Schulen gegen Hitze gewappnet sind. Im Schulausschuss gab es vergangene Woche die Antworten.



"In heißen Klassenzimmern kann man weder gut lernen noch gut unterrichten, regulärer Unterricht wird bei so hohen Temperaturen mindestens eine Herausforderung, je nach Raum ganz unmöglich", heißt es in der Begründung der FDP‑Anfrage. In Anbetracht der Tatsache, dass derartige Hitzeperioden in Zukunft häufiger auftreten könnten, sei zu befürchten, dass in den Sommermonaten Unterrichtsausfall häufiger vorkommen werde. Daher wollten die Liberalen nicht nur wissen, wie viele Unterrichtsstunden in diesem Sommer wegen der Hitzewelle ausgefallen sind. Es ging auch darum, wie viele Klassenräume an Braunschweiger Schulen aktuell mit Klimaanlagen ausgerüstet sind und welche Maßnahmen die Stadt ergreift, um Schulen hitzefest zu machen.

Zahlen sind unvollständig


Der Verwaltung liegen die Informationen zum Unterrichtsausfall wegen Hitzefrei regulär nicht vor. Daher habe man eine Befragung der Schulen durchgeführt. Es hätten insgesamt 55 Schulen geantwortet. Die Zahlen sind also nicht vollständig. Zudem wurde nur der Zeitraum bis zu den Sommerferien abgefragt (die Anfrage der FDP ging Mitte Juli ein).

Von den 36 Schulen mit Primarbereich (Grundschulen, Grund- und Hauptschulen sowie Förderschulen), von denen eine Rückmeldung erfolgt ist, hätten 14 angegeben, dass – mit Einverständnis der Eltern und Erziehungsberechtigten – vor den Sommerferien insgesamt 108 Unterrichtsstunden wegen Hitze entfallen sind. In 13 Schulen mit Primarbereich kam es zu keinem Unterrichtsausfall wegen Hitze. Sieben Schulen hätten den Eltern das Angebot gemacht, ihre Kinder an den besonders heißen Tagen auf Wunsch früher abzuholen. Zwei Schulen hätten angegeben, dass kein Unterricht entfallen ist, mit den Kindern aber alternative Beschäftigungen durchgeführt wurden.

Ausfälle ab Jahrgang 5


Zudem hätten 19 weiterführende und berufsbildende Schulen auf die Befragung geantwortet. Auch wurden die Grund- und Hauptschulen sowie die Förderschulen ab Jahrgang 5 für die Auswertung berücksichtigt (insgesamt 23 Schulen). Davon sind an 14 weiterführenden und berufsbildenden Schulen vor den Sommerferien aufgrund von Hitzefrei insgesamt 96 Stunden ausgefallen. Fünf weiterführende und berufsbildende Schulen haben geantwortet, dass kein Unterricht ausgefallen ist. Drei Schulen haben rückgemeldet, dass die Unterrichtszeit an den besonders heißen Tagen von 45 auf 30 Minuten gekürzt wurde. Zudem habe eine berufsbildende Schule von der Möglichkeit des Distanzunterrichts Gebrauch gemacht.

Klimaanlage nur in Ausnahmefällen


Und wie sieht die Versorgung mit Klimaanlagen aus? Nach derzeitigem Kenntnisstand seien lediglich an der Grundschule Lamme Klimageräte in Klassenräumen installiert, bilanziert die Stadt. Dort befänden sich in allen Klassenräumen jeweils zwei Klimageräte. Weitere Schulen verfügten nach derzeitigem Kenntnisstand nicht über aktiv kühlende Klimaanlagen in Unterrichtsräumen.

Grundsätzlich würden technische Kühl- oder Klimaanlagen bei Schulgebäuden nur in begründeten Ausnahmefällen vorgesehen. Lüftungs- und Klimaanlagen kämen überwiegend in Aulen, Mensen oder anderen Sonderbereichen zum Einsatz. In Unterrichtsräumen seien vereinzelt Raumlüftungsgeräte zur Verbesserung der Luftqualität vorhanden; diese verfügten jedoch über keine Kühlfunktion.

Bauliche und organisatorische Maßnahmen


Doch was ist für die Zukunft geplant? Die Stadt verfolge vorrangig das Ziel, den sommerlichen Wärmeschutz durch bauliche und organisatorische Maßnahmen zu verbessern, erklärt die Verwaltung. Der Einsatz aktiver Kühlung werde aufgrund des höheren Technik- und Energieaufwandes grundsätzlich nur in begründeten Ausnahmefällen vorgesehen.

Zu den bereits umgesetzten und laufenden Maßnahmen gehöre insbesondere die Nachrüstung von außenliegendem Sonnenschutz an verschiedenen Schulstandorten, beispielsweise an der Grundschule Gartenstadt, der Heinrich-Büssing-Schule, der Otto-Bennemann-Schule (Hauptstandort Alte Waage und Außenstelle Blasiusstraße), sowie teilweise am Gymnasium Raabeschule, Außenstelle Stöckheim. Für die Ricarda-Huch-Schule wurde auf Grundlage von Temperaturmessungen ebenfalls der nachträgliche Einbau von außenliegendem Sonnenschutz empfohlen. An der Grundschule Comeniusstraße werde zudem die Erprobung denkmalgerechter Außenjalousien durchgeführt.

Zudem laufe die Erprobung und Umsetzung von Nachtlüftungskonzepten, unter anderem an der Grundschule Comeniusstraße und der Grundschule Heinrichstraße. Temperaturmessungen und Untersuchungen zum sommerlichen Wärmeschutz würden an verschiedenen Schulstandorten durchgeführt, unter anderem an der Ricarda-Huch-Schule, der Grundschule Wenden und der Grundschule Comeniusstraße. Dabei wurden auch der Einfluss des Nutzungsverhaltens sowie die Wirksamkeit vorhandener Verschattungseinrichtungen untersucht.

Wirkung von Dachbegrünungen


Auch die Wirkung von Dachbegrünungen auf die Gebäudetemperaturen werde untersucht, unter anderem am Gymnasium Raabeschule. In der Fortschreibung der städtischen Energieleitlinien mit einem stärkeren Fokus auf den sommerlichen Wärmeschutz würden passive Maßnahmen wie außenliegender Sonnenschutz, Verschattung und weitere bauliche Lösungen gegenüber einer aktiven Kühlung grundsätzlich bevorzugt.

Als kurzfristige organisatorische Maßnahme werde zudem empfohlen, Unterrichtsräume in den frühen Morgenstunden intensiv zu lüften und die Fenster geschlossen zu halten, sobald die Außentemperatur die Raumtemperatur übersteigt. Dadurch könne die Erwärmung der Räume verzögert werden. Darüber hinaus bestünden bereits einzelne Sonderlösungen, beispielsweise klimatisierte naturwissenschaftliche Fachräume im Gebäude F der IGS Heidberg. Diese stellten jedoch Einzelfälle dar und seien nicht auf allgemeine Unterrichtsräume übertragbar.

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