Braunschweig. Müssen Fußgänger an Ampeln in der Weststadt zu lange warten? Diese Ansicht teilte zumindest die Mehrheit des dortigen Stadtbezirksrates. In der April-Sitzung wurde ein Antrag der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen beschlossen, die Stadtverwaltung darum zu bitten, die Wartezeiten für Fußgänger an den Ampeln in der Weststadt, insbesondere auf Schulwegen sowie vor Senioren-, Pflege- und Kinderheimen, signifikant zu reduzieren. Jetzt liegt hierzu eine Stellungnahme der Verwaltung vor.
Die Antragsteller gingen dabei von einer Wartezeit an Ampeln in der Weststadt von etwa 85 Sekunden aus. Dies sei insbesondere vor den genannten Einrichtungen und auf Schulwegen deutlich zu lange, so Kai Brunzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtbezirksrat. Viele, nicht nur ältere Menschen, könnten aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen nicht so lange stehen. Gerade bei schlechtem Wetter stelle die lange Wartedauer zudem eine große Herausforderung dar.
Pause zu lang?
Die Grünen erklären in ihrer Antragsbegründung außerdem, dass es der zumindest subjektive Eindruck vieler Personen sei, dass die Phase des Wartens zwischen Beginn der Rotphase für Autos und Beginn der Grünphase für Fußgänger an einigen Ampeln zu lang sei.
Regelumlaufzeit nicht gleich Wartezeit
In ihrer Stellungnahme räumt die Verwaltung zunächst mit einem Missverständnis auf: "Im Stadtgebiet von Braunschweig ist eine Regelumlaufzeit von 85 Sekunden bei Lichtsignalanlagen Standard. Lediglich einfach signalisierte Fußgängerquerungen mit geringer Knotenkomplexität und geringem Verkehrsaufkommen haben eine Umlaufzeit von 50 bis 60 Sekunden. Dabei handelt es sich entgegen der Annahme im Antrag nicht um die Wartezeit für einzelne Verkehrsarten. Die Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen in der Weststadt variieren zwischen 25 und 76 Sekunden für Fußgänger."
Eine Verkürzung der Wartezeiten für Fußgänger sieht die Verwaltung skeptisch. Bei der Planung von Signalplänen und Freigabezeiten habe man verschiedene verkehrliche Aspekte zu berücksichtigen. Neben der ÖPNV-Beschleunigung und der Priorisierung des Fuß- und Radverkehrs müsse auch die Aufrechterhaltung der Koordinierung des Kfz-Verkehrs zwischen den Knotenpunkten beachtet werden, um Rückstaus in benachbarte Knotenpunkte zu vermeiden.
Gesamte Leistungsfähigkeit betrachten
Grundsätzlich werde versucht, innerhalb der 85 Sekunden ein ausgewogenes Verhältnis für alle Verkehrsarten zu schaffen. Eine generelle Reduzierung der Wartezeiten für den Fußverkehr sei nicht möglich, ohne die gesamte Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte zu beeinträchtigen.
Und auch für die scheinbar lange Zeit, in der niemand "grün" hat, hat die Verwaltung eine Erklärung. Wenn die Ampel für eine Verkehrsbeziehung auf Rotlicht schalte, werde erst mit einer zeitlichen Verzögerung für konkurrierende Verkehrsbeziehungen ein grünes Signal gegeben. Durch diese sogenannte Zwischenzeit werde ein gefahrloses Räumen und späteres Einfahren in die Kreuzung ermöglicht.
Zwischenzeitlich leere Straßen
Zwischenzeitlich leere Straßen bei einer längeren Grünfreigabe seien nicht vermeidbar und der Koordinierung auf den Streckenzügen oder auch einem momentan geringen Verkehrsaufkommen geschuldet. Faktoren wie die ÖPNV-Beschleunigung spielten ebenfalls eine entscheidende Rolle, da diese die Grünphase beeinflussten.

