Gamsen. Was Gamsen bis heute fehlt, ist ein Ortsmittelpunkt. Das könnte sich ändern. Denn im Bereich der Köthener Straße soll eine lebendige Ortsmitte entstehen, ein attraktiver Ort für das Dorfgemeinschaftsleben, der auch Heimatort für das rege Vereinsleben ist. Das Dorfgemeinschaftshaus könnte dabei zusammen mit dem alten Fachwerk-Gemeindehaus eine wichtige Rolle spielen und als Zentrum der Begegnung saniert und weiterentwickelt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Gifhorn.
Das geht jedoch nicht ohne Fördermittel. Um diese beantragen zu können, braucht es eine Planungsgrundlage. Deshalb hat die Verwaltung eine Vorentwurfsplanung für eine mögliche Sanierung ausgeschrieben und beauftragt, um damit auf einen kommenden Förderaufruf vorbereitet zu sein. Sie umfasst die Leistungsphasen 1 bis 3 der Objektplanung, Tragwerksplanung und Technische Gebäudeausrüstung. Bestandteil der Planung sind das DGH und das angrenzende alte Gemeindehaus. Im Ortsrat Gamsen wird am 12. Mai die Vorentwurfsplanung vorgestellt und vorberaten und geht dann in den Ausschuss für Hochbau, Tiefbau und Liegenschaften (15.06.2026), in den Verwaltungsausschuss (25.06.) und schließlich in den Rat (29.06.2026).
Teil des Stadtentwicklungskonzepts
„Eine gute Stadtentwicklung bezieht sich nicht nur auf die Kernstadt, sondern bezieht auch die Ortsteile mit ein. Deshalb ist es unser Ziel, den ehemaligen alten Dorfkern im Bereich der Köthner Straße zu einem identitätsstiftenden Ortsmittelpunkt zu entwickeln. Das wollen wir erreichen, indem wir in die soziale Infrastruktur von Gamsen investieren“, erklärt Bürgermeister Matthias Nerlich. Das Vorhaben ist als Maßnahme 1.11. Bestandteil des vom Rat beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK).
„Die Weiterentwicklung des DGH würde sich in die große Linie einfügen, die wir bereits seit längerem verfolgen“, sagt Karsten Moritz, Fachbereichsleiter Bauverwaltung. „Direkt ans DGH grenzt die Sporthalle an, die fast fertig saniert ist. Und nebenan haben wir ein neues Krippen- und Ganztagsgebäude gebaut. Mit der Sanierung des DGH könnten wir den Kreis schließen.“
Der perfekte Ort
Auch für den Ortsbürgermeister Dirk Reuß ist das der perfekte Ort. „Es ist die Keimzelle von Gamsen. Grundschule, Mensa, Sporthalle, das Gemeindehaus mit den Vereinsräumen, all diese Einrichtungen sorgen jetzt schon für unheimlich viel Leben. Wenn es uns jetzt noch gelingt, das Dorfgemeinschaftshaus zu einem attraktiven Anlaufpunkt zu machen, dann wäre das ein großer Gewinn. Außerdem könnten wir ganz neue Ideen für Veranstaltungen entwickeln, die unser Dorfleben bereichern“, blickt Dirk Reuß in die Zukunft.
Charme und Technik der 1970er Jahre
Das DGH wurde direkt vor der Gebietsreform gebaut und entspricht bis auf die vor einigen Jahren modernisierten und vergrößerten Sanitäranlagen dem Originalzustand der 1970er Jahre. Entsprechend schlecht ist es um den baulichen, technischen und optischen Zustand bestellt.
Die im Rahmen der Vorentwurfsplanung gemachten Untersuchungen des Gebäudes hinsichtlich Statik, Brandschutz und Haustechnik haben den Handlungsbedarf bestätigt. So reicht die Tragfähigkeit der vorhandenen Dachkonstruktion für eine energetische Sanierung und ggf. eine Photovoltaikanlage nicht aus und muss ersetzt werden. Dringender Handlungsdruck besteht auch beim Brandschutz. Das Gebäude muss nach den aktuellen Vorschriften der Versammlungsstättenverordnung umfangreich nachgerüstet werden. Auch Elektroanlagen und Haustechnik, Küchentrakt und Thekenbereich sind komplett veraltet und müssen erneuert werden. Das gilt auch für sämtliche Fenster. Diese sind teilweise sogar noch teilweise verglast.
Bewegliche Bühne für maximale Flexibilität
Mit der Sanierung würden auch architektonische Veränderungen im Innenbereich erfolgen, die vor allem den Saal betreffen. Die erhöhte Bühne und der darunter liegende Jugendraum sollen zurückgebaut und der Saalboden über diesen Bereich hinweg verlängert werden.
„Damit vergrößern wir den Saal, können die Theke mit hineinnehmen und mit einer beweglichen Bühne flexible und vielseitige Nutzungsmöglichkeiten für Geburtstage, Hochzeiten, Gemeindefeste und ähnliches anbieten“, erklärt Karsten Moritz. Ein entsprechendes Nutzungskonzept soll in einem weiteren Planungsschritt erarbeitet werden.
Fachwerkhaus bekommt vier Clubräume
Dank der geplanten architektonischen Veränderungen im Fachwerkgebäude könnten auch dort neue Nutzungsmöglichkeiten entstehen. So sehen die Planungen vor, dass die Fassade überarbeitet und die Fenster erneuert werden. Die steile, innenliegende Holztreppe soll wird entfernt und durch ein außenliegendes, von der Straße nicht sichtbares Treppenhaus ersetzt werden. Der Zugang ins Erdgeschoss wäre zukünftig barrierefrei. Der Wegfall der Treppe ermöglicht eine andere Raumaufteilung. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss sind je zwei Clubräume für die Vereine vorgesehen. Der Männergesangsverein Gamsen und die DRK Ortsgruppe Gamsen mit ihrem Seniorennachmittag nutzen bereits jetzt schon das Gebäude.
Die Kosten
Nach der Freigabe der Vorentwurfsplanung durch den Rat will die Stadt Möglichkeiten der Förderung prüfen. Die Kostenschätzung des beauftragten Planungsbüros für die in den Anlagen dargestellten Maßnahmen liegen bei knapp vier Millionen Euro.

