Mehr Verkehrstote, vor allem in Städten und auf Autobahnen

Am heutigen Montag wurde die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Diese zeigt unter anderem einen Anstieg bei den im Straßenverkehr getöteten Menschen.

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Symbolfoto. | Foto: regionalHeute.de

Region. Die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, hat am heutigen Montag die Verkehrsunfallstatistik 2025 vorgestellt. In Niedersachsen sind demnach im vergangenen Jahr mehr Menschen bei Verkehrsunfällen getötet worden.



Die wesentlichen Kennzahlen zeigen ein konstantes Niveau. Die Polizei verzeichnete im vergangenen Jahr bei der Gesamtzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle eine leichte Abnahme um 0,1 Prozent auf insgesamt 208.720 Unfälle. Das sind 281 Unfälle weniger als im Jahr 2024. Im vergangenen Jahr sind in Niedersachsen 372 Menschen (2024: 347) bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen, rund 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit liegt die Zahl der Verkehrstoten auf dem Stand des Jahres 2020. Wie bei der Zahl der Verkehrstoten ist auch die der Leichtverletzten gestiegen, hier geringfügig um rund 0,6 Prozent (213 mehr, 36.296) Daneben nahm die Anzahl der Schwerverletzten in 2025 um 2,1 Prozent ab (104 weniger, 4.857).

Die Unfallursachen


Die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, sagt: „Wir können mit den Entwicklungen im Straßenverkehr im vergangenen Jahr nicht zufrieden sein. Jeder Mensch, der bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist einer zu viel! Besonders auffällig sind die gestiegenen Zahlen der Todesopfer in der Gruppe der Kinder und älteren Menschen sowie bei den Zweiradfahrenden.

Auch zeigt die Verkehrsunfallstatistik, dass weiterhin viele Menschen viel zu schnell unterwegs sind, sich betrunken oder berauscht ans Steuer setzen. Dabei bestätigt sich meine Befürchtung, dass sich die Teil-Legalisierung von Cannabis negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken wird. Deshalb setzen wir weiter intensiv auf Prävention, Kampagnen und verstärkte Kontrollen. Dabei sind insbesondere das zu hohe Tempo und die Fahrtüchtigkeit im Blick der Polizei.“

Im vergangenen Jahr war erneut zu hohe Geschwindigkeit die Hauptursache für Verkehrsunfälle mit Todesopfern. Außerdem waren Vorfahrtsmissachtung, Fehler beim Überholen und Abbiegen sowie zu geringer Abstand zwischen den Fahrzeugen maßgebliche Gründe für Verkehrsunfälle.

Die Unfalluhr 2025 in Niedersachsen


Alle 2,5 Minuten nimmt die Polizei einen Verkehrsunfall auf. Etwa alle 13 Minuten verunglückt eine Person im Straßenverkehr. Täglich kommt dabei mindestens ein Mensch ums Leben. Besonders häufig betroffen sind bestimmte Gruppen: Alle 51 Minuten wird eine Fahrrad fahrende Person verletzt, etwa alle 2–3 Stunden verunglückt eine Pedelec-Fahrende Person, und alle 3,5 Stunden ist eine zu Fuß gehende Person betroffen. Motorradfahrende Personen verunglücken ungefähr alle 2,5 Stunden. Alle 83 Minuten ist eine Person im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in einen Unfall verwickelt, während etwa alle 84 Minuten eine Person ab 65 Jahren betroffen ist.Auch Unfallursachen und besondere Unfallarten zeigen sich regelmäßig: Alle 2 Stunden verursacht eine fahruntüchtige Person einen Unfall, und etwa alle 2–3 Stunden endet ein Verkehrsunfall an einem Baum.


Die Risikogruppen


2025 starben neun Kinder im Alter von einem bis 14 Jahren bei Verkehrsunfällen, drei Kinder mehr in dieser Altersgruppe als im Jahr zuvor. Dagegen kamen 2025 bei der Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren 22 Menschen weniger ums Leben als 2024 – die Zahl der Todesopfer sank auf 36. Von den tödlich verunglückten jungen Erwachsenen haben 24 Personen einen Pkw und neun Personen ein motorisiertes Zweirad genutzt. Fast die Hälfte (15) kamen bei einem Baumunfall ums Leben.

In der Altersgruppe der Seniorinnen und Senioren (ab 65 Jahren) gab es 144 Todesopfer, das waren 18 Personen mehr als 2024. Damit entspricht der Anteil dieser Personengruppe an den Verkehrstoten insgesamt rund 39 Prozent und ist in Relation zu einem Bevölkerungsanteil von 23 Prozent deutlich überrepräsentiert. 2025 waren – ähnlich wie in den Vorjahren – rund 37 Prozent der Todesopfer aus dieser Altersgruppe als Fahrende oder Mitfahrende in einem Pkw unterwegs. Fast die Hälfte starb als sogenannte „ungeschützte Verkehrsteilnehmende“ – sie waren also zu Fuß oder mit dem Fahrrad bzw. Pedelec unterwegs.

In der Gruppe der tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger sind im Jahr 2025 im Vorjahresvergleich fünf Personen mehr und somit 49 Todesopfer zu verzeichnen. Davon waren 30 im Alter von 65 Jahren und älter sowie drei im Kindes- bzw. Jugendalter von einem bis 11 Jahren.

In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr mit insgesamt 63 Personen rund 28 Prozent mehr Fahrradfahrer tödlich verunglückt als 2024 (49). 33 von ihnen nutzten ihr Pedelec, als es zu dem tödlichen Unfall kam. Insgesamt waren von den 63 Radfahrenden 41 Seniorinnen und Senioren. Rund zwei Drittel (43) der insgesamt getöteten Radfahrenden haben keinen Fahrradhelm getragen.

Die Anzahl der tödlich verunglückten motorisierten Zweiradfahrenden ist im Jahr 2025 ebenso leicht gestiegen. Insgesamt kamen hier 67 Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben (2024: 59). Dabei ist diese Zunahme mit acht Todesopfern mehr der Klasse der Motorräder mit mehr als 125 ccm zuzuordnen (2025: 56 getötete Personen; 2024: 48).

Mehr Präventionsarbeit und Kontrollen


Ministerin Behrens: „Aufgrund des hohen Anteils an Todesopfern bei den Zweiradfahrenden setzen wir bei dieser Gruppe einen stärkeren Fokus. Mit deutlich mehr Präventionsarbeit und Kontrollen, gerade in Schwerpunktbereichen, steuern wir dieser Entwicklung entgegen. Die Präventionsarbeit wird dabei auch die dringende Empfehlung an Rad- und Pedelec-Fahrende zum Tragen eines Helms beinhalten. Der Start der Zweiradsaison steht unmittelbar bevor. Darum müssen wir auch in diesem Jahr wieder frühzeitig und intensiv über die Gefahren aufklären und um gegenseitige Rücksichtnahme werben. Ich wünsche allen Fahrrad-, Pedelec- sowie allen Motorradfahrerinnen und -fahrern eine schöne Saison mit wunderbaren Ausfahrten. Vor allem wünsche ich Ihnen, dass sie unbeschadet an Ihr Ziel und nach Hause kommen.“

Baumunfälle und Landstraßen


Rund zwei Drittel der tödlichen Verkehrsunfälle (insgesamt 232) haben sich 2025 auf Landstraßen ereignet. Die Anzahl der sogenannten Baumunfälle hat sich dabei in Niedersachsen im vergangenen Jahr um knapp zwei Prozent auf 3.057 Unfälle reduziert (2024: 3.109).

Ebenfalls gesunken ist die Zahl der bei Baumunfällen tödlich verunglückten Personen - um mehr als 21 Prozent (von 117 im Jahr 2024 auf 92). Die Zahl der bei Baumunfällen schwer verletzten Personen nahm dagegen leicht zu, die der leicht verletzten Personen nahm wiederum ab. In 2025 gab es 606 Schwerverletzte und damit fünf mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Leichtverletzten nahm von 1.591 auf 1.469 ab (- 7,7 Prozent).

Autobahnen in Niedersachsen


Im Jahr 2025 kamen auf den niedersächsischen Autobahnabschnitten 37 Personen ums Leben, das waren 17 Menschen mehr als im Jahr zuvor.

Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr


Im Jahr 2025 hat die Zahl der tödlich verunglückten Personen aufgrund einer Beeinflussung durch Alkohol oder anderer berauschender Mittel von 23 im Jahr 2024 auf acht abgenommen. Ebenso nahm die Gesamtzahl der von der Polizei registrierten Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol oder sonstige berauschende Mittel eine maßgebliche Rolle spielten, leicht ab. Hier verzeichnete Niedersachsen ein Minus von 2,7 Prozent auf 4.166 Verkehrsunfälle (- 116 Unfälle).

Mehr Unfälle durch Cannabislegalisierung


Im April 2024 ist in Deutschland die Cannabislegalisierung in Kraft getreten. Anschließend erfolgte im Spätsommer 2024 eine Änderung der straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften mit Anpassung des THC-Grenzwertes auf 3,5 Nanogramm THC im Blut. Diese Änderungen bedurften bundesweit eine Abstimmung mit dem Bundesamt für Statistik (DESTATIS) und eine Aktualisierung der polizeilichen Bearbeitungs- und Auswertesysteme in den jeweiligen Ländern. Seit dem 1. Juli 2025 liegen der Polizei Niedersachsen jetzt erstmalig valide Zahlen zu den seit diesem Zeitpunkt registrierten Verkehrsdelikten und Verkehrsunfällen im Straßenverkehr vor: Im 2. Halbjahr 2025 sind in Bezug auf die Beeinflussung von Verkehrsteilnehmern durch Cannabis 231 Verkehrsunfälle und zusätzlich bei Verkehrskontrollen 1.932 Verkehrsdelikte festgestellt worden.

Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit im Fokus


Die Themen Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit bildeten bereits in den vergangenen beiden Jahren den Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit in Niedersachsen und stehen auch in diesem Jahr fortgesetzt im Fokus. „Ähnlich gefährlich wie sich mit Alkohol, Cannabis oder sonstigen Drogen oder Medikamenten ans Steuer zu setzen, ist zu hohes Tempo. Nichts kann das rechtfertigen. Wer zu schnell fährt, gefährdet sich und andere. Die Polizei wird daher bei ihren Kontrollen in diesem Jahr ebenfalls die Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit verstärkt in den Fokus nehmen und erneut abgestimmte landesweite Überwachungstermine vorbereiten. An diesen werden dann nicht nur Fahrerinnen und Fahrer von Pkw, Lkw und Bussen, sondern auch Motorrad-, E-Scooter und Radfahrende kontrolliert", so Behrens abschließend.