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Ist dieser Spielplatz gefährlich? Bürgermeister zum Handeln aufgefordert

"Geh nicht auf diesen Spielplatz, denn hier ist es nicht sicher!“ - mit diesen Worten soll eine Erzieherin vor der Nutzung des Spielplatzes Im Blumengarten in Groß Stöckheim gewarnt haben. Das jedenfalls sagt der Ratsherr und Landratskandidat von Bündnis90/Die Grünen, Leonhard Pröttel.

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Vor dem Spielplatz in Groß Stöckheim soll kein Tempo 30 eingerichtet werden. | Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. Vor weiteren drei Spielplätzen in Wolfenbüttel soll bald Tempo 30 gelten. Das hat die Stadt Wolfenbüttel nach einer Prüfung entschieden. Aus der Anordnung für Tempo 30 rausgeflogen ist der Spielplatz an der Hauptstraße in Groß Stöckheim. Eine Entscheidung, die dem Grünen-Ratsherren Leonhard Pröttel gar nicht gefällt. Zumal es seine Partei war, die hier Tempo 30 gefordert hatte.



Die Stadtverwaltung hatte vier Spielplätze prüfen lassen, um abwägen zu können, ob vor den Spielplätzen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h angeordnet werden kann. Überprüft wurden die Spielplätze Doktorkamp, Leiferder Weg, Anton-Ulrich-Straße und Blumengarten in Groß Stöckheim. Für Letzteren kam Tempo 30 nicht infrage. Die Stadtverwaltung kam nach der Prüfung zu dem Ergebnis, dass eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h an der Hauptstraße (L615) nicht angeordnet werden kann, weil die erforderlichen Kriterien nicht erfüllt seien. Unter anderem, weil der Haupteingang des Spielplatzes nicht an der Hauptstraße, sondern an der Straße "Im Blumengarten" liegt - und dort herrscht bereits Tempo 30.

„Geh nicht auf diesen Spielplatz, denn hier ist es nicht sicher"


Der Haupteingang zum Spielplatz liegt in der Straße Im Blumengarten
Der Haupteingang zum Spielplatz liegt in der Straße Im Blumengarten". Dort herrscht bereits Tempo 30. Foto: Werner Heise


Der Grünen-Ratsherr Leonhard Pröttel hält dagegen und berichtet in einem Video auf seinem Instagram-Kanal davon, dass man ihm gesagt habe: „Geh nicht auf diesen Spielplatz, denn hier ist es nicht sicher.“ Pröttel, der während des Videos vor dem Spielplatz sitzt, weiter in seinem Post: „Eine Formalie verhindert, dass wir Kinder schützen dürfen.“ Zwar gebe es faktisch einen Ausgang durch die Hecke, dieser sei jedoch formal kein offizieller Zugang, weshalb Rechtslage und Realität hier nicht zusammenpassten. Leidtragend seien die Kinder auf dem Spielplatz und auf dem Weg dorthin.


"Sieh zu, dass da Tempo 30 hinkommt"


„Wäre der Trampelpfad durch das Loch in der Hecke offiziell, dürften wir Tempo 30 anordnen, so aber nicht“, so der Ratsherr. Die Angst der Eltern und Erzieherinnen sei dabei keine abstrakte, sondern eine reale Gefahr, da er selbst schon oft beobachtet habe, wie Kinder auf die Straße rannten und Autofahrer im letzten Moment bremsen mussten, sagt er.


Er habe den Bürgermeister im vergangenen Bauausschuss direkt gefragt, wie er mit dem Problem umgehen will. "Ich bin ganz gespannt auf den Vorschlag des Bürgermeisters und ich will ganz klar sagen: Von mir aus nimm das Argument, das du brauchst, völlig egal, aber sieh zu, dass da Tempo 30 hinkommt", endet Pröttel.

Weshalb es nicht so einfach möglich ist, an besagter Stelle Tempo 30 einzurichten, hatte die Verwaltung im Prüfbericht bereits ausführlich erläutert. Unter anderem sei es nicht möglich, weil ein direkter Zugang von der Hauptstraße zum Spielplatz fehle. Da der Spielplatz ausschließlich über die Straße „Im Blumengarten“ erreichbar und zur Hauptstraße hin durch eine Hecke, einen Zaun und einen Wall abgegrenzt ist, sieht die Verwaltung die rechtliche Voraussetzung einer unmittelbaren Lage an der Vorfahrtsstraße als nicht gegeben an. Zudem habe man keinen starken Ziel- und Quellverkehr oder eine außergewöhnliche Gefahrenlage durch häufige Fahrbahnüberquerungen feststellen können. Zudem ermögliche eine Ampelanlage in etwa 130 Metern Entfernung eine sichere Überquerung der Straße, heißt es in dem Prüfbericht.

So ist die Lage


Doch wie sieht es denn mit der Verkehrslage vor Ort aus? Stellt die Straße wirklich eine Gefahr dar? Das wollte regionalHeute.de von der Polizei, der Stadtverwaltung und dem Landkreis genauer wissen. Gefragt wurde daher nach der Frequenz, etwaigen Geschwindigkeitsmessungen und Verstößen und ob es sich um eine Unfallhäufungsstelle handelt.

Die Polizei kann nicht genau sagen, wie stark die Hauptstraße frequentiert ist. "Wir haben da jetzt keine Verkehrszählung durchgeführt. Das Einzige, was halt bekannt ist, es ist eine Hauptstraße und der Hauptzufahrtsweg in Richtung Salzgitter Thiede beziehungsweise natürlich auch zur Autobahnauffahrt. Dementsprechend wird es da schon zu einer etwas höheren Frequentierung kommen", sagt Polizeisprecherin Lia Marquardt. Dass es in dem Bereich vermehrt zu Unfällen kommt, könne man nicht sagen. In den vergangenen drei Jahren habe es dort einen Unfall gegeben. Und dabei habe es sich um einen Auffahrunfall gehandelt. Unfälle, bei denen Kinder involviert waren, gab es nicht.

Bei der Frage zu den Geschwindigkeitsmessungen verweist Lia Marquardt an den Landkreis. Von dort wird mitgeteilt: "In der Hauptstraße in Groß Stöckheim wurden in der Vergangenheit an der angegebenen Stelle keine Geschwindigkeitsüberwachungen durchgeführt." Auch durch die Stadt Wolfenbüttel wurden an besagter Stelle keine Messungen durchgeführt, erklärt Stadtsprecher Thorsten Raedlein auf Nachfrage.