Wolfenbüttel. Laut der kürzlich vorgestellten Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Wolfenbüttel (ohne Baddeckenstedt) weniger Straftaten registriert. Mit einem dem Rückgang der Fallzahlen folgt die Region dem landesweiten Trend in Niedersachsen.
Nachdem die Kriminalitätszahlen in den Jahren 2023 und 2024 mit über 5.100 Taten auf einem hohen Niveau stagnierten, sank die Zahl der registrierten Straftaten im Jahr 2025 auf 4.586 Fälle. Dies entspricht einem Rückgang um 10,29 Prozent ( - 526 Fälle) gegenüber dem Vorjahr. Damit bewegt sich das Kriminalitätsaufkommen wieder in etwa auf dem Stand von 2022. Im landesweiten Vergleich der 45 niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte belegt Wolfenbüttel nun wieder Rang 5 der sichersten Regionen, nachdem man im Vorjahr auf Platz 9 zurückgefallen war. Die Aufklärungsquote blieb mit 60,73 Prozent stabil und bewegt sich nahezu auf dem Durchschnittsniveau der letzten zehn Jahre.
Weniger Diebstähle und Körperverletzungen
Ein Rückgang war vor allem bei den einfachen Diebstählen zu verzeichnen, die um 153 Fälle auf insgesamt 911 Taten sanken. Innerhalb dieser Gruppe gingen insbesondere die Ladendiebstähle um 159 Fälle zurück, was jedoch auch von der Kontrollintensität des Einzelhandels beeinflusst werde. Ebenfalls rückläufig waren die Körperverletzungen mit einem Minus von 66 Fällen auf insgesamt 495 Taten sowie die Vermögens- und Fälschungsdelikte, die um 97 Fälle auf 741 registrierte Taten sanken. Bei den schweren Diebstählen gab es einen Rückgang um 38 Fälle, wobei die Zahl der Kfz-Diebstähle mit 17 entwendeten Fahrzeugen fast halbiert werden konnte.
Mehr Sexualdelikte - Kinder häufiger Opfer
Im vergangenen Jahr wurden 152 Sexualdelikte registriert. Dies sind 37 Taten mehr als 2024. Im Einzelnen wurden 16 Vergewaltigungen (+2), 9 sexuelle Übergriffe und sexuelle Nötigungen (+4), 12 sexuelle Belästigungen (-1), 27 sexuelle Missbräuche (+9), 3 exhibitionistische Handlungen (+3) sowie 88 Fälle der Ausnutzung sexueller Neigungen (+23) erfasst, darunter 68 Fälle des Umgangs mit kinderpornographischen Erzeugnissen (+17).
Die festgestellte Zunahme der Sexualdelikte hänge insbesondere mit dem Anstieg im Bereich der Ausnutzung sexueller Neigungen zusammen. In diesem Deliktsfeld geht es vor allem um die verbotene Verbreitung pornographischer Inhalte, häufig über soziale Medien. Besonders auffällig sei der erneute Anstieg beim Umgang mit kinderpornographischen Erzeugnissen. Dieser dürfte im Zusammenhang mit einer weiteren Intensivierung der Ermittlungsmaßnahmen in diesem Deliktsbereich sowie mit der Einrichtung entsprechender Ermittlungsgruppen stehen.
Im Jahr 2025 wurden 30 Kinder (+14) Opfer von Sexualdelikten. Von den 152 registrierten Sexualdelikten konnten 145 aufgeklärt werden. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von 95,39 Prozent (+2,35 Prozent). Die hohe Aufklärungsquote erklärt sich unter anderem dadurch, dass sich solche Taten häufig im sozialen oder familiären Nahbereich ereignen oder Täter und Opfer einander kennen.
Straftaten gegen das Leben
Im Jahr 2025 wurde im Landkreis Wolfenbüttel unter anderem ein Vorfall bekannt, der als versuchter Totschlag erfasst wurde. Dabei erlitt eine Frau im Zusammenhang mit einer Gewalttat lebensgefährliche Verletzungen. Das Verfahren wird derzeit vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt.
Anstieg bei den Raubdelikten
Auch bei den Raubdelikten gab es einen leichten Anstieg von 19 auf 25 Fälle. Ein besonderes Augenmerk lege die Polizei zudem auf die Aggressivität gegenüber Amtsträgern, da mit 33 Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte das hohe Niveau des Vorjahres gehalten wurde. Bezüglich der Tatverdächtigen konnten insgesamt 2.311 Personen ermittelt werden, wobei die Zahl der männlichen Verdächtigen auf 1.730 anstieg, während bei den Frauen ein Rückgang auf 581 zu verzeichnen war. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Heranwachsenden im Alter von 18 bis 20 Jahren, deren Zahl um fast 32 Prozent auf 186 anstieg.
Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger erhöhte sich auf 29,94 Prozent, was die Polizei jedoch im Kontext demografischer und sozialer Rahmenbedingungen betrachtet. Auf der Opferseite wurden 1.154 Personen registriert, wobei insbesondere die Zahl der weiblichen Opfer mit 537 Fällen im Langzeitvergleich seit 2019 weiterhin auf einem sehr hohen Niveau verharrt.
Meisten Delikte in der Stadt
Regional konzentriert sich das Geschehen weiterhin auf die Stadt Wolfenbüttel, wo mit 2.841 Taten fast 62 Prozent aller Delikte im Zuständigkeitsbereich begangen wurden. Insgesamt hat sich die Anzahl der Straftaten im Stadtgebiet Wolfenbüttel im Vergleich zu 2023 und 2024 wieder annähernd auf den Stand des Jahres 2022 entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 372 Straftaten weniger registriert. Besonders deutlich gingen die Fallzahlen in den Deliktsbereichen Ladendiebstahl (- 129), Hausfriedensbruch (-64), Beleidigung (-39), Körperverletzung (-42) und Sachbeschädigung (-30) zurück.
Ebenfalls stark rückläufig entwickelten sich die Deliktszahlen in den Zuständigkeitsbereichen der Polizeistationen Cremlingen/Sickte (-53) sowie Schöppenstedt/Remlingen (-102). Im Bereich der Polizeistation Schöppenstedt/Remlingen waren insbesondere die Vermögens- und Fälschungsdelikte (-91) sowie die Beleidigungen (-20) rückläufig. Im Bereich der Polizeistation Cremlingen/Sickte betraf dies vor allem Sachbeschädigungen (-43), Körperverletzungsdelikte (-23) sowie einfachen (-10) und schweren Diebstahl (-15).
Entgegen der Entwicklung in den übrigen Zuständigkeitsbereichen blieben die Deliktszahlen in Schladen/Börßum nahezu unverändert (+1). Während die Anzahl der Körperverletzungsdelikte (+6) und der einfachen Diebstähle (+11) leicht anstieg, gingen insbesondere Bedrohungen (-10), schwere Diebstähle (-19) und Betrugsdelikte (-19) zurück.
Trotz der objektiv verbesserten Sicherheitslage habe das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung laut landesweiten Befragungen wieder leicht abgenommen, weshalb die Polizei auch 2026 auf verstärkte Präsenz und Prävention setzen will.

