Wolfenbüttel. Nach einer großangelegten internationalen Razzia wegen des Verdachts der Herstellung und des Handels mit synthetischen Drogen hat das Landgericht Braunschweig nun erste Urteile gesprochen. Im Mittelpunkt stand ein professionelles Drogenlabor im Landkreis Wolfenbüttel, das nach Ermittlerangaben zur Herstellung großer Mengen Amphetaminbase genutzt worden sein soll.
Den Männern wurde bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Drei der vier Angeklagten wurden nun verurteilt, gegen einen weiteren Angeklagten wird weiterhin verhandelt, teilt Gerichtssprecherin Lisa Rust auf Nachfrage von regionalHeute.de mit.
Männer müssen mehrere Jahre in den Knast
Der inzwischen 45 Jahre alte Angeklagte wurde wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren beantragt.
Ein 27-jähriger Angeklagter wurde wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und neun Monate gefordert, die Verteidigung hatte ebenfalls drei Jahre und vier Monate beantragt.
Auch der 28-jährige Angeklagte wurde wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte auch hier drei Jahre und neun Monate gefordert, die Verteidigung drei Jahre und drei Monate.
Verfahren gegen mutmaßlichen Organisator läuft weiter
Das Verfahren gegen den 33-jährigen Angeklagten wurde abgetrennt. Gegen ihn wird weiterhin verhandelt. Ihm wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine zentrale Rolle innerhalb der mutmaßlichen Gruppierung zugeschrieben. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 23. Juli angesetzt, insgesamt sind noch sieben weitere Termine bis zum 7. September 2026 geplant.
Herstellung und Handel mit Amphetamin im großen Stil
Den Angeklagten wurde vorgeworfen, sich spätestens im August 2025 mit weiteren Personen zusammengeschlossen zu haben, um auf Dauer und wiederholt Amphetamin im Kilogrammbereich herzustellen und anschließend gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die Ermittlungen richteten sich gegen eine international agierende Tätergruppe mit Verbindungen in die Niederlande.
Nach der Anklage soll der 33-jährige Angeklagte als Organisator, Auftraggeber und Koordinator fungiert haben. Ihm wurde vorgeworfen, die Auswahl des beteiligten Personals, die Logistik für die Transporte zur Lagerhalle, die Organisation von Ausfuhrtransporten sowie den Vertrieb der Drogen koordiniert zu haben.
Der 44-jährige Angeklagte soll für die praktischen Abläufe rund um das Labor verantwortlich gewesen sein. Dazu sollen unter anderem die Annahme von Chemikalienlieferungen, der Ankauf von Verbrauchsmaterialien und Propangasflaschen sowie die Entsorgung großer Mengen chemischer Abfallstoffe gehört haben. Die beiden jüngeren Angeklagten im Alter von 27 und 28 Jahren sollen eine unterstützende Rolle übernommen haben und an Vor- und Nachbereitungen sowie am Rückbau des Labors beteiligt gewesen sein.
Ermittlungen führen zu internationaler Razzia
Die Ermittlungen gegen die mutmaßliche Tätergruppe hatten bereits seit Dezember 2024 angedauert. Die Zentrale Kriminalinspektion Braunschweig und die Staatsanwaltschaft Braunschweig führten die Ermittlungen mit Unterstützung internationaler Partner, darunter Europol.
Im November 2025 erfolgte schließlich die großangelegte Durchsuchungsaktion. Einsatzkräfte durchsuchten zeitgleich insgesamt 17 Wohn- und Gewerbeobjekte, davon acht im Landkreis Wolfenbüttel und neun in den Niederlanden. In einer Lagerhalle im Landkreis Wolfenbüttel stießen die Ermittler auf ein professionell ausgestattetes Labor, das nach bisherigen Erkenntnissen zur Herstellung großer Mengen Amphetaminbase genutzt worden sein soll. Bei den Durchsuchungen in Schöppenstedt wurden verschiedene Fässer mit Chemikalien gefunden.
Zum Zeitpunkt der Durchsuchung fand dort kein Produktionsprozess statt, da in der Halle Bauarbeiten durchgeführt wurden. Dennoch stellten die Ermittler zahlreiche Chemikalien, Kochkessel und weiteres professionelles Equipment sicher. Außerdem wurden Betäubungsmittel, Bargeld im hohen fünfstelligen Bereich sowie professionelle Feuerwerkskörper, sogenannte Kugelbomben, gefunden.
Produktion von mehr als 70 Kilogramm Amphetaminbase geplant
Nach den Ermittlungen wurden am 6. August 2025 Chemikalien angeliefert, aus deren Menge grundsätzlich bis zu 180 Kilogramm Amphetamin hätten hergestellt werden können. Nach einer weiteren Lieferung am 29. August 2025 soll eine gesondert verfolgte Person in der Lagerhalle den eigentlichen Syntheseprozess durchgeführt haben. Dabei sollen mindestens 74,36 Kilogramm Amphetaminbase hergestellt worden sein.
Am 3. September 2025 sollte die fertige Substanz in 14 Kanistern in die Niederlande gebracht werden. Der Transport konnte jedoch verhindert werden, nachdem ein Fahrzeug kontrolliert und die darin befindlichen 123,64 Kilogramm Amphetamin sichergestellt worden waren.
Umfangreiche Sicherstellungen bei den Ermittlungen
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen war bereits zuvor an der niederländischen Grenze eine größere Menge Amphetaminbase beschlagnahmt worden. Rund 130 Liter des Rohstoffs wurden sichergestellt. Nach Einschätzung der Ermittler hätte diese Menge für etwa 1,5 Millionen Konsumeinheiten ausgereicht. Der Wert wurde auf eine zweistellige Millionensumme geschätzt.

