Wolfenbüttel. Er will es noch einmal wissen: Thomas Pink, der langjährige Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel, kehrt auf die kommunalpolitische Bühne zurück und tritt bei der anstehenden Kommunalwahl am 13. September 2026 als Einzelbewerber für den Stadtrat an. Nach fünf Jahren Pause möchte der erfahrene Ex-Rathauschef wieder aktiv mitgestalten – allerdings nicht mehr an der Spitze der Verwaltung, sondern auf der Ratsbank.
Die Entscheidung reifte im März dieses Jahres. Im Gespräch mit regionalHeute.de erzählt Pink, dass ihm die Kommunalpolitik seit seinem Ausscheiden im Jahr 2021 schlicht gefehlt habe. Den letzten Impuls gab seine Ehefrau, nachdem er sich wiederholt über lokale Missstände geärgert hatte: "Dann tritt doch gefälligst selbst an", so die klare Ansage. Pink nahm sie beim Wort, besorgte die offiziellen Unterlagen und sammelte 30 Unterstützungsunterschriften, die für eine parteilose Kandidatur erforderlich sind. Aus der Bevölkerung spüre er seither enormen Rückhalt für seinen Plan, sagt er.
Vom Rathauschef zum einfachen Ratsmitglied
Den Wechsel vom Chefposten zum einfachen Ratsmitglied sieht der 67-Jährige keineswegs als Herabstufung. "Der Stadtrat ist als Hauptorgan das wichtigste Gremium der Kommune", ordnet Pink ein. Bereits von 1996 bis 2006 saß er im Stadtrat, zeitweise als CDU-Fraktionsvorsitzender. Dieses Mal tritt er jedoch bewusst parteilos an und verortet sich im konservativ-liberal-sozialen Spektrum.
Eine Fraktions- oder Gruppenbildung lehnt er ab: "Ich bilde mit mir alleine eine Gruppe", stellt Pink klar. Ihm sei bewusst, dass er als Einzelkämpfer alleine "keinen großen Fisch vom Tisch ziehen" werde, er setze jedoch auf eine sachorientierte Zusammenarbeit mit den tragenden Kräften im Rat. Gerade in seiner Rolle als Einzelbewerber sieht Pink auch eine Freiheit. Er sei keiner Fraktionsdisziplin unterworfen und könne jede Vorlage nach Inhalt und eigener Überzeugung bewerten. Ein Mandat als Besserwisser oder Stänkerfritze, wie es ihm manche politische Mitbewerber bereits unterstellen würden, strebe er nicht an. Er verstehe sich als "Bürger unter Bürgern". Seine Wunschausschüsse im Falle einer Wahl: Kultur, Bau und Verwaltung.
Scharfe Kritik an "monopolitischer Politik“ und Verwaltungssprache
Mit der aktuellen Ratsarbeit geht der Altbürgermeister scharf ins Gericht. Es werde zu viel "monopolitische Politik" betrieben, kritisiert er mit Blick auf das viel diskutierte Fahrradparkhaus oder die Fahrradzone in der Schützenstraße. Gleichzeitig blieben handfeste Probleme der Bürger liegen: "Gefühlt geht es nur noch um Nachhaltigkeit und Klimaschutz, aber nicht mehr um die Schlaglöcher im Kalten Tal oder die Siedlungspolitik."
Auch die Sprache der Verwaltung sei durch Konstrukte wie die "Sparvorlage Agenda 2030" viel zu kompliziert geworden und gehe an den Menschen vorbei. Vorlagen und Entscheidungen müssten sich wieder stärker am "objektiven Empfängerhorizont des Bürgers" orientieren, fordert Pink. Wer Kommunalpolitik mache, müsse erklären können, was eine Entscheidung konkret für die Menschen vor Ort bedeute. "Kommunalpolitik ist eigentlich die Krone der Politik, weil sie direkt am Bürger dran ist. Wir machen hier Politik vor Ort und nicht in Hannover oder Berlin", so Pink.
Sparen ja, aber nicht beim gesellschaftlichen Bindeglied
Beim Thema Finanzen nimmt Pink die aktuelle Führung teils in Schutz. Die Haushaltschieflage sei vor allem durch die Unterfinanzierung von Bund und Land, die Corona-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Kriegs bedingt. Dennoch warnt er vor falschen Sparplänen: Kultur, Sport und Ehrenamt dürften nicht kaputtgespart werden. Diese Bereiche seien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig und dürften nicht als Erstes unter Druck geraten. Zudem plädiert er dafür, die vorhandenen finanziellen Rücklagen konsequent zu nutzen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Sparen dürfe sich aus seiner Sicht aber nicht alleine auf freiwillige Leistungen konzentrieren. Auch verwaltungsinterne Abläufe, Standards und Strukturen müssten auf den Prüfstand. Liegengebliebenes – wie die ausstehende Umsetzung des Ratsbeschlusses zum Kriegerdenkmals oder die angekündigte Schlossplatz-Gestaltung – will er im Rat hinterfragen.
Keine Rückkehr auf den Chefsessel
Eine Rückkehr in das Amt des Bürgermeisters schließt Pink aus – das gibt das niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz ohnehin nicht her. Während für Ratsmitglieder keine Altersgrenze nach oben existiert, dürfen Bewerber für das Amt des Hauptverwaltungsbeamten am Wahltag maximal 66 Jahre alt sein. Pink, mittlerweile 67, verweist zudem darauf, dass er schon nach seiner Wiederwahl 2014 im Rat angekündigt hatte, nach über 15 Jahren den Platz für Jüngere frei zu machen.
Nachdem seine Kandidatur nun für den Stadtrat in politischen Kreisen bereits bekannt wurde, sei er oft gefragt worden, warum er sich das jetzt noch antue. Dass er sich mit der Kandidatur noch einmal etwas antue, weist Pink entschieden zurück: "Ich tue mir nichts an!", entgegnet er. Im Gegenteil: Er mache das gerne, sagt er. Kommunalpolitik sei für ihn keine Last, sondern ein Feld, in dem er sich auskenne und in dem er weiterhin etwas beitragen könne.
Pink blickt auf eine klassische Aufstiegslaufbahn in der Verwaltung zurück. 1977 begann er als Dienstanfänger im mittleren Dienst bei der Stadt Wolfenbüttel, wechselte 1991 an das Studieninstitut in Magdeburg und stieg später bis in den höheren Dienst auf.
Das Wahlverfahren: Besonderheiten im Wahlbereich III
Thomas Pink wird am 13. September im Wahlbereich III (Westen) kandidieren, wo er seit 26 Jahren lebt. Nur hier wird er auf dem Stimmzettel stehen. Die Stadt Wolfenbüttel ist für die Wahl der insgesamt 42 Ratsmitglieder in vier separate Wahlbereiche unterteilt.
Das Wahlsystem bietet für Einzelbewerber durchaus Chancen, da über die Vergabe der Sitze am Ende auch die direkt vergebenen Personenstimmen entscheiden und die starren Parteilisten durchbrochen werden können. Pink selbst sieht dem kommenden Wahlausgang gelassen entgegen: "Entweder es klappt – oder es klappt nicht."

