Salzgitter. Naturschutzverbände warnen regelmäßig vor der Gefahr von Mährobotern für Igel. Insbesondere nachts stellten diese eine Lebensgefahr für die bedrohten Tiere dar. Die Landkreise Peine und Helmstedt haben bereits reagiert und per Allgemeinverfügung ein Nachtfahrverbot für Mähroboter erlassen. In Salzgitter dagegen hat sich der Rat der Stadt am gestrigen Mittwoch mehrheitlich dagegen entschieden.
Derzeit erwachen die Igel nach und nach aus dem Winterschlaf, zudem beginnt die Zeit, in der die Menschen vermehrt ihren Rasen pflegen und mähen. Die AfD-Ratsfraktion hatte dies zum Anlass genommen, einen Dringlichkeitsantrag in die Ratssitzung einzubringen. Demnach sollten Mähroboter im Stadtgebiet in der Zeit von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang nicht mehr betrieben werden. Tagsüber sollte der Einsatz uneingeschränkt möglich bleiben. Ausnahmen waren für Flächen vorgesehen, die für Wildtiere nachweislich nicht erreichbar sind.
"Nicht hinter anderen Kommunen zurückbleiben"
"Salzgitter sollte beim praktischen Artenschutz nicht hinter anderen Kommunen zurückbleiben", befand Ratsfrau Patricia Mair bei der Einbringung des Antrags. Sie betonte in ihrer Rede die Gefahr, die für Igel von den Mährobotern ausgehe, die Rolle des Igels für ein funktionierendes Ökosystem sowie die diversen Städte und Landkreise, die bundesweit bereits in dieser Sache gehandelt hätten.
Doch im Plenum fand sie keine Zustimmung. Der Antrag wurde bei drei Für- und 36 Gegenstimmen abgelehnt.
"Nicht auf kommunaler Ebene lösen"
Lars Tietjen (Die PARTEI) verwies darauf, dass seine Ratsgruppe sich bereits vor einem Jahr mit dem Thema beschäftigt und einen entsprechenden Antrag ganz bewusst wieder zurückgezogen habe. Die Verwaltung habe damals zugesagt, tätig zu werden, und habe es auch getan, indem sie informiert und für das Thema sensibilisiert habe. Dieses Thema könne nicht auf kommunaler Ebene gelöst werden. Man setze nun auf den Deutschen Städtetag, der inzwischen auch weitergehende Maßnahmen fordere, etwa die Hersteller in die Pflicht zu nehmen. Diese sollen technische Lösungen entwickeln, die Kleintiere besser schützen. Man wolle abwarten, wie sich die Initiative auf Bundesebene entwickelt. Erst wenn sich dann zeige, dass weiterer Handlungsbedarf besteht, könne man in Salzgitter nachsteuern.
"Nicht nur Mähroboter und Igel"
Ralf Albert (Bündnis 90 / Die Grünen) verwies dagegen auf die Landesebene. Im Landtag hätten SPD und Grüne einen ähnlichen Antrag eingereicht, der aber viel besser und umfangreicher sei. Da gehe es nicht nur um Mähroboter und Igel, sondern auch um andere elektronische Gartengeräte sowie andere Tierarten, die unter dem menschlichen Technikwahn litten. Bei der späteren Umsetzung wünsche er sich natürlich auch die Unterstützung der Stadt Salzgitter
Ratsherr Thomas-Peter Disselhoff (Ratsgruppe DiBo) erklärte, die meisten Mähroboter würden sowieso tagsüber eingesetzt. Zudem ließe sich das Nachtverbot kaum kontrollieren. Der Antrag sei daher nicht zielführend.

