Ein Jahr Ungewissheit: Chronologie des Falles Manczak

Seit genau einem Jahr wird der 51-Jährige aus Groß Döhren vermisst. Wir blicken noch einmal auf die Geschehnisse der vergangenen 12 Monate.

von Anke Donner


Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: Alexander Panknin

Groß Döhren. Heute auf den Tag genau ist es ein Jahr her, dass der damals 51-jährige Karsten Manczak spurlos aus seinem Haus im Liebenburger Ortsteil Groß Döhren verschwand. Bis heute ist nicht genau geklärt, was genau in den frühen Morgenstunden des Dienstags vor einem Jahr passierte. Doch es gibt den schrecklichen Verdacht, dass der Familienvater Opfer eines Mordes wurde. Sein mutmaßlicher Mörder steht derzeit vor Gericht. Doch der Prozess stützt sich allein auf Indizien - denn eine Leiche gibt es bis heute nicht. Wir blicken noch einmal auf die Ereignisse der vergangenen 12 Monate.


Im Laufe des vergangenen Jahres überschlugen sich die Ereignisse im Vermisstenfall Karsten Manczak. Schon kurz nach seinem Verschwinden am 13. April 2021 waren sich die Ermittlungsbehörden sicher, dass der Groß Döhrener einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Spuren am Wohnort wiesen daraufhin, dass er in den frühen Morgenstunden aus seinem Haus gelockt wurde und seinem Mörder direkt in die Arme lief. Wer Karsten Manczak auf dem Gewissen haben soll, stand für die Ermittler der Mordkommission "Fortuna" rund vier Wochen nach dessen Verschwinden fest. Sein bester Freund, der damals 50-jährige Bundespolizist Martin G., soll Karsten Manczak getötet haben. Mit einer Armbrust, wie die Ermittler vermuten. Sein Motiv: Liebe. Denn Martin G. soll über Jahre hinweg eine Affäre mit Manczaks Frau gehabt haben. Um mit ihr eine gemeinsame Zukunft zu haben, musste der Nebenbuhler weg.

Vom Vermisstenfall zum Mordfall


Die Ermittler glauben, dass Karsten Manczak Manczak an diesem Morgen gegen 4 Uhr aufgestanden war, um sich für seinen Arbeitstag fertig zu machen. Gegen 4:30 Uhr soll Manczak auf der Terrasse auf dessen Freund Martin G. getroffen sein. Dieser soll zur Wohnanschrift seines Freundes in Groß Döhren gefahren sein und sich dort heimlich auf dem Gartengrundstück verborgen gehalten haben. Später soll er seinen Freund nach draußen in den Garten- beziehungsweise Terrassenbereich gelockt, umgebracht und weggeschafft haben. Wohin, ist bis heute nicht klar. Die Leiche von Karsten Manczak wurde nie gefunden.

Die Familie findet an diesem Morgen eine verwaiste Küche vor. Es sieht aus, als hätte Manczak das Haus überstürzt verlassen. Auf der Arbeitsplatte liegt noch ein Toast. Handy, Schlüssel und Arbeitstasche liegen in der Küche. Karsten Manczak jedoch ist weg, ebenso der blaue Caddy der Familie. Am Abend des 13. April verständigt die Familie die Polizei. Karsten Manczak gilt von diesem Moment an als vermisst. Die Polizei leitet Suchmaßnahmen in und um Groß Döhren ein. Diese führten jedoch nicht zum Auffinden des Vermissten. Blutspuren auf dem Grundstück und die Brille des Vermissten lassen die Ermittler darauf schließen, dass Karsten Manczak Opfer eines Verbrechens wurde. Aufgrund der Spurenlage vor dem Haus geht die Polizei nun nicht mehr von einem Vermisstenfall aus. Die Suche geht weiter. Karsten Manczak wird nicht gefunden, jedoch sein Auto. Am 16. April findet die Polizei den blauen VW Caddy des Vermissten auf dem Messegelände in Hannover auf der Straße "Boulevard der EU" gegenüber des "Holländischen Pavillons". Das Fahrzeug schien ordnungsgemäß abgestellt und verschlossen worden zu sein. .

Am 30. April 2021 durchsuchte die eingerichtete Ermittlungsgruppe "Fortuna" Waldstücke längs der Bundesstraße 242 südlich von Altenau nach dem Vermissten ab. Dabei wurde die Polizei durch den Einsatz von Spürhunden unterstützt. Die Ermittlungsgruppe ging hierbei einem Hinweis aus der Bevölkerung nach, welcher jedoch nicht zu einem Auffinden von fallrelevanten Hinweisen geführt hat.

Immer wieder neue Zeugenaufrufe


Im Rahmen der Ermittlungen bittet die Polizei die Bevölkerung immer wieder um Mithilfe. In einem Zeugenaufruf vom 5. Mai 2021 wurde der Fahrer eines weißen Seat Mii gesucht, der zwischen Groß Döhren und Hahndorf direkt hinter dem blauen Caddy von Carsten M. gefahren sein soll.

Seitdem scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen.

Am Freitag den 7. Mai 2021 durchsuchte die Polizei mit Spürhunden ein Grundstück in der Lewer Straße am Ortsrand der Gemeinde Liebenburg. Grund für einen abermaligen Polizeieinsatz war ein Hinweis aus der Bevölkerung.

Die Suche nach Zeugen geht jedoch weiter. So hätten die Ermittlungen der Polizei ergeben, dass im Nahbereich des Abstellortes des Caddys des Vermissten am 13. April, kurz nach 9:30 Uhr, ein Taxi geordert wurde. Die Mordkommission sucht daher nach dem Fahrer des Taxis.

Kurz darauf gab es am 18. Mai eine Festnahme. Zu der festgenommenen Person wollte die Staatsanwaltschaft jedoch keine weiteren Angaben machen.

Aktualisiert, 19. Mai 2021
Gegen den am 18. Mai vorläufig festgenommenen 50-jährigen Mann aus Liebenburg hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig am 19. Mai einen Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Er wird verdächtigt Karsten M. an dessen Wohnanschrift getötet zu haben. Dabei geht die Polizei von einer Beziehungstat aus.

Aktualisiert, 2. Juni 2021
Der vermisste Karsten M. wird seit Wochen gesucht. Die Polizei und Staatsanwaltschaft sind der Überzeugung, dass Karsten M. getötet wurde. Nach wie vor laufe die Suche nach Karsten M., von dem weiterhin jede Spur fehlt. Der Tatverdächtige befinde sich jedoch weiterhin in Untersuchungshaft. Ihm wird Mord vorgeworfen.

Aktualisiert, 11. Juni 2021
Lange herrschte Stille um das Fortschreiten der Ermittlungen. Jetzt wenden sich Polizei und Staatsanwaltschaft erneut an die Bevölkerung. Der tatverdächtige Bundespolizist, der in der Sache in Untersuchungshaft sitzt, habe noch während der ersten Ermittlungen seltsame Käufe getätigt. Die Gegenstände seien geeignet, um etwa eine Baustelle einzurichten. Die Polizei sucht deshalb im Zusammenhang mit einem möglichen Ablageort der Leiche nun nach den Gegenständen.

Aktualisiert, 22. Juni 2021
Bislang seien keine Hinweise auf die gesuchten Gegenstände eingegangen. Wie die Staatsanwaltschaft aber betont, wird weiter nach der Leiche gesucht.

Aktualisiert, 17. Juli 2021
Auch einen Monat später gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft bekräftigt ihre Aussage, dass man von einer Beziehungstat ausgehe.

Aktualisiert, 13. August 2021
Der Fall Karsten Manczak läuft am 18. August bei Aktenzeichen XY ungelöst im ZDF. Die Ermittler hoffen durch die Fernsehzuschauer auf Hinweise, die nach vier Monaten endlich zum Auffinden von Karsten Manczak oder seiner Leiche führen.

Aktualisiert, 19. August 2021
Nach der Ausstrahlung in der Sendung Aktenzeichen...XY ungelöst gingen bei der Polizei 30 Hinweise ein. Die meisten davon zum Verbleib der Baumaterialien.

Aktualisiert, 20. August 2021
Bei der Angabe der Menge der Baumaterialien, die im Zusammenhang mit dem Fall Manczak stehen sollen, gibt es unterschiedliche Angaben. Die Staatsanwaltschaft erklärt, dass dies dem Ermittlungsfortschritt geschuldet sei.

Aktualisiert, 31. August 2021
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen den in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen Anklage wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen erhoben. Darüber hinaus nennt sie weitere Details, wie sich der Mord aus ihrer Sicht abgespielt hat.

Aktualisiert, 30. September 2021
Wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Nachfrage mitteilte, soll im November der Mordprozess beginnen. Angeklagt ist ein Bundespolizist. Er soll Karsten Manczak mit einer Armbrust getötet haben.

Aktualisiert, 1. November 2021
Am 10. November beginnt der Prozess gegen den Verdächtigen. Das Landgericht berichtet, dass Karsten Manczak mit einer Schlag- oder Stichwaffe tödlich verletzt wurde.

Aktualisiert, 10. November 2021
Heute sollte der Prozess gegen seinen mutmaßlichen Mörder starten. Doch die Verhandlung fand nicht statt, weil ein Richter und ein Schöffe fehlten.

Aktualisiert, 24. November 2021
Heute begann der Prozess im Mordfall Manczak. Der Angeklagte schweigt vor Gericht zu den Mordvorwürfen, kündigte jedoch an, dass es sein könne, dass er sein Schweigen im Laufe des Prozesses brechen werde.

Aktualisiert, 26. November 2021
Am zweiten Prozesstag im Fall Manczak wird von den Zeugen immer wieder ein Fiat 500 erwähnt, der in der Nähe des Wohnhauses der Familie Manczak gesehen wurde. Der Wagen wurde von dem Angeklagten bei einer Autovermietung angemietet.

Aktualisiert, 29. November 2021
Am dritten Verhandlungstag im Mordfall Karsten Manczak standen unter anderem die Ehefrau und die Söhne des mutmaßlichen Opfers im Zeugenstand. Die Aussage der Ehefrau fand jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Aktualisiert, 2. Dezember 2021
Am vierten Prozesstag im Mordfall Karsten Manczak rückte das unterkühlte Verhalten des Angeklagten Martin G. in den Vordergrund der Zeugenaussagen. Und die enge Freundschaft, die den Angeklagten mit Karsten Manczak seit vielen Jahren verband. Doch war es wirklich eine Freundschaft oder reines Kalkül?

Aktualisiert, 16. Dezember 2021
Während des sechsten Prozesstages im Fall Manczak ging es einzig um die Ermittlungsergebnisse der Polizei und deren Berichte zum mysteriösen Verschwinden des 51-Jährigen. Sechs Polizisten der Ermittlungsgruppe "Fortuna", die später zur Mordkommission "Fortuna" wurde, sagten im Zeugenstand aus. Immer wieder versuchen die Verteidiger von Martin G. die Aussagen und Ermittlungen der Polizei in Frage zu stellen.

Aktualisiert, 17. Dezember 2021
Beim sechsten Prozesstag im Fall Manczak traten die beteiligten Ermittler der Mordkommission "Fortuna" in den Zeugenstand. Vor allem die Strafverteidiger Martin Nitschmann und Andreas Zott hinterfragten die Angaben der Zeugen sehr genau und stellten, wie bereits in den vorangegangenen Prozesstagen, die Ermittlungsarbeit der Polizei in Frage.

Aktualisiert, 14. Januar 2022:
Der älteste Sohn des mutmaßlichen Opfers sagte am siebten Prozesstag vor Gericht aus. Er schilderte im Detail die Stunden und Tage nach dem Verschwinden seines Vaters.

Aktualisiert, 11. Februar 2022
In einem weiteren Prozesstag sagt der Moko-Leiter aus. Dieser schilderte im Detail die Ermittlungen und deren Ergebnisse, die zur Annahme führen, dass der Angeklagte, der 50-jährige Bundespolizist Martin G., seinen engen Freund Karsten Manczak ermordet haben soll.

Aktualisiert, 18. Februar 2022
Beinahe ein Jahr nach dem Verschwinden des 51-Jährigen aus Groß Döhren hat sich nun ein weiterer Zeuge gemeldet. Er sagt vor dem Landgericht aus, dass er kurz nach dem Verschwinden des Karsten Manczak eine leblose Person in dessen Auto gesehen haben will.

Aktualisiert, 3. März 2022
Erneut gab es während eines Prozesstages Kritik seitens der Verteidigung an der Ermittlungsarbeit der Polizei. Dabei seien aus Sicht der Verteidigung wichtige Zeugen nicht vernommen worden.

Aktualisiert, 16. März 2022
Vier Zeugen sagen vor Gericht aus, dass sie das mutmaßliche Mordopfer nach dessen Verschwinden noch gesehen haben wollen.

Aktualisiert, 30. März 2022
Kann eine Drohne zur Leiche von Karsten Manczak führen? Fallanalytiker Klaus Fejsa hat der Polizei einen Tipp gegeben, wie die Leiche von Karsten Manczak aufgespürt werden könnte.

Aktualisiert, 25. April 2022
Manczak-Prozess: Verteidiger fordern Freilassung des Angeklagten

Aktualisiert, 29. April 2022
Mordprozess: Angeklagter im Manczak-Fall bleibt vorerst in Haft

Aktualisiert, 29. April 2022
Manczak-Prozess: Verteidigung zweifelt abermals an Ermittlungen der Polizei

Aktualisiert, 2. Mai 2022
Manczak-Prozess: Warum schweigt der Angeklagte?

Aktualisiert, 13. Mai 2022
Haftbeschwerde abgelehnt: Angeklagter im Manczak-Prozess bleibt hinter Gittern

Aktualisiert, 17. Mai 2022
Manczak-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert besondere Schwere der Schuld

Aktualisiert, 31. Mai 2022
Fall Manczak: Das Urteil ist gefallen


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